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übertriebenes Marketing 20 März, 2010

Posted by Tobüas in Reisen allgemein.
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Die letzten Tage habe ich mir das Irland-Reisemagazin 2009 (ja, ich bin nicht immer ganz up to date) angeschaut. Tolle Fotos. Habe jetzt noch mehr Lust auf dieses Land, ich muss unbedingt hin. Leider habe ich nicht nur die Bilder angeschaut, sondern auch den Text dazu gelesen. Klar, es ist ne Werbebroschüre, aber ich persönlich finde das zu viel des Guten. Geht es nur mir so, oder nimmt die Glaubwürdigkeit rapide ab, wenn jemand für die Selbstbeschreibung nur Superlative verwendet? Wenn alles nur superduperaffentittenmegageil ist und es nichts schlechtes gibt. Wenn alles mit einzigartigen Adjektiven versehen wird? Wenn selbst die Sachen, die langweilig sind undbedingt als etwas Tolles dargestellt werden müssen? Mir geht es zumindest so. Für mich sind solche Sachen unglaubwürdig.
Ist euch schon Mal aufgefallen, dass in Reiseführern und Infobroschüren alle Städte grundsätzlich eine reiche, faszinierende Geschichte haben, die den Bewohnern bewusst ist, aber trotzdem die Stadt weltoffen, herzlich und am Puls der Zeit ist. Langweilige Gegenden sind dort auch keine Pampa wo man von Mücken aufgefressen wird, sondern unberührte Natur, die zum Entspannen einlädt. Und die Einwohner immer hilfsbereit und offen für Touris sind. Kennt ja auch wirklich jeder, egal wohin man fährt, schon am Flughafen wird man von einer Menschenmasse mit offenen -Armen erwartet wird, und nur durch das Eingreifen der Polizei kann verhindert werden, dass es Schlägereien gibt, wer welchen Touri mit nach Hause nehmen kann.
Auf Platz 2 meiner Favoritentabelle der Irlandbroschüre liegt die „tief in die Vergangenheit reichende Geschichte.“ Ja, das ist wirklich selten, dass die Geschichte in Vergangenheit reicht. Normalerweise beginnt die nämlich morgen und reicht bis weit in die Zukunft 😉
Unangefochten auf Platz eins liegt folgender, blödsinnig-sabbernder Marketingerguss: „Zwischen den zahlreichen städten und Döfern dieser lebhaften und zugleich malerischen Region herrscht ein ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn, der den ruhigen Lauf und die angenehme Atmosphäre der Wasserwege widerspiegelt.“ (S.28) Zunächst natürlich mal wieder das fantastische sowohl – als auch. Der Gemeinschaftssinn spiegelt den Flusslauf wieder? Dies ist übelster Geodeterminismus 🙂 (ein Insider für alle Geographen, alle anderen einfach drüber hinweglesen) und zugleich das hirnlose gebrabbel eines Marketingzombis. Der Gemeinschaftssinn spiegelt den schönen Flusslauf wieder??? Da musste wohl dringend noch ne Seite gefüllt werden.
Auf Platz eins der ewigen Liste steht aber bei mir etwas anderes. Es gibt eine Infobroschüre von Visit London (wie der Name andeutet das Touristenamt für London). London ist ne mega Stadt (nicht nur ne Megastadt – wieder was für die Geographen), die Schlangen vor dem London Eye oder dem Tower sind so lang, da wünscht man sich eigentlich gar nicht, dass noch mehr Leute kommen. Eher weniger. Trotzdem gibt es die Broschüre, eine wirklich toller Hochglanzdruck, tolle Bilder, einladente Texte. Und auf dem Cover: „Willkommen in der Welstadt London“

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