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Konsumierte Höflichkeit 10 Dezember, 2008

Posted by Tobüas in Leben im Callcenter.
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Warum ich diesen (oder dieses???) Post schreibe? Ganz einfach, weil ich mich ärgere. Wo ist unsere gute Kinderstube geblieben? Warum hat es niemand mehr nötig, einen Knigge zu lesen? By the way, ich habe mir die Mühe gemacht, habe aber so gut wie alles vergessen, außer die Regel, dass der Mann ein unbekanntes Lokal zuerst betritt da es sich um terra incognita handelt – er erkundet das Terrain und sichert den Vorstoß – und er der Dame den Vortritt lässt, wenn es sich um die Stammkneipe handelt.Ich kann auf das Thema Höflichkeit aus zwei Perspektiven schauen. Vor kurzem war ich in Frankfurt am Flughafen um dort jemanden abzusetzten und habe dabei die Unverschämtheit besessen, die nationale, wenn nicht sogar die globale Sicherheit zu gefährden, wenn man das Verhalten der Polizisten zugrunde legt, indem ich 2 Minuten falsch geparkt habe. Natürlich ist bei so einem Verbrechen sofort mein Freund und Helfer zur Stelle gewesen und hat – im Gegensatz zu mir –  mit seinem Wagen erst Mal dick den Verkehr blockiert. Immerhin hätte ich ja vielleicht flüchten können. Der Typ in Grün hat mich auch gleich aus seinem chiquen blauen Wagen (which I think look a lot cooler than the old green ones) heraus blöd von der Seite angemotzt, im wahrsten Sinn des Wortes. Keine Frage, ich habe einen Fehler gemacht, aber ist es nicht möglich, das normal zu sagen? Wenn ich dann kein Verständnis zeige kann er immer noch den Ton verschärfen und den Schlagstock auspacken. Anscheinend hat er aber mit Anlegen der Uniform seine Höflichkeit abgelegt. Die hängt im Spind der Hauptwache gleich neben dem Humor. Das zur Höflichkeit der Produzenten, der Leute, die eigentlich einen Service anbieten.

Nicht viel Besser sind die Konsumenten. Ich bin einer der Menschen, die in der Bundesrepublik vermutlich am meisten gehaßt werden. Nicht ich persönlich, hoffe ich zumindest, sondern meinesgleichen. Der Grund: Ich arbeite in einem Call Center. Und noch schlimmer, ich arbeite im Vertrieb. Ich bin einer der Leute, die euch Zeitungen am Telefon aufdrängen wollen (immerhin kein Günther-Jauch-Glücksspiel). Ich kann grundsätzlich natürlich verstehen, warum man mit so nem Job so beliebt wie ein Anwalt oder ein Politiker ist. Trotzdem ist das Bild falsch, das es eine Umkleide gibt, in der wir vor der Arbeit unser menschliches Wesen an die Garderobe hängen und uns in bösartige Monster verwandeln, die von Aragon, Gimli und Konsorten erschlagen werden müssen. An der Garderobe hängen nur unsere Mäntel, wir bleiben auch am Telefon Menschen. Und wenn ich am Telefon höflich bin, dann kann der andere das auch mir gegenüber sein. Er muß ja nix kaufen, aber statt einfach den Höhrer aufzuknallen kann man kurz sagen „Danke, kein Interesse, ich wünsche ihnen aber einen schönen Tag“ und dann ganz normal aufhängen. Sollte doch nicht so schwer sein.

Ich will mit diesem Beitrag gar nicht in die Kerbe „Typisch Deutsch! In Spanien/Italien/Brasilien wäre das niiiiie denkbar“ schlagen. Statt dessen sehe ich dies als Beitrag um die Welt ein bisschen besser zu machen: Ihr müsst ja nicht den Knigge auswendig lernen, aber ein wenig Freundlichkeit tut niemandem weh und macht den Tag der anderen schöner.

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